Männer in der Psychotherapie
In meiner Praxis sitzen regelmäßig Männer, die einen langen Weg hinter sich haben, bevor sie hier ankommen. Alle haben vorher lange versucht, es irgendwie alleine zu regeln. Mit Sport, mit Arbeit, mit sozialem Rückzug. Manche kommen nach einer Trennung, andere nach einem Zusammenbruch, wieder andere, weil sie seit Jahren das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren, aber sich nicht mehr zu spüren.
Dass das so ist, hat nur wenig mit individuellem Versagen zu tun und viel mit “männlicher” Sozialisation. Männer lernen früh, dass Verletzlichkeit kein erstrebenswerter Zustand ist. Dass man Probleme mit sich selbst ausmacht. Dass Gefühle etwas sind, das man im Griff haben sollte.
In meiner Arbeit geht es darum, diese Muster sichtbar zu machen. Nicht um sie zu verurteilen, sondern um zu verstehen, woher sie kommen und wo sie uns Männern im Weg stehen. Es geht um ganz konkrete Fragen: Warum kann ich meiner Partnerin / meinem Partner nicht sagen, was ich brauche? Warum reagiere ich mit Wut, wenn ich eigentlich traurig bin? Warum fällt es mir so schwer, Hilfe anzunehmen? Wie kann ich meine Bedürfnisse erkennen und kommunizieren?
Mit welchen Themen Männer in Psychotherapie kommen:
Die Themen sind so unterschiedlich wie die Männer selbst. Gleichzeitig gibt es Muster, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnen. Schwierigkeiten, Gefühle überhaupt wahrzunehmen oder in Worte zu fassen. Das Gefühl, als Mann bestimmten Erwartungen entsprechen zu müssen und gleichzeitig nie ganz zu genügen. Konflikte in der Partnerschaft, in denen Sprachlosigkeit eine zentrale Rolle spielt. Einsamkeit, obwohl man von Menschen umgeben ist. Oder eine Erschöpfung, die sich hinter hoher Leistungsbereitschaft versteckt und von außen lange nicht sichtbar ist.
Viele dieser Themen hängen mit Männlichkeitsbildern zusammen, die wir verinnerlicht haben, oft ohne es zu bemerken.
Mein Zugang:
Ich bin kein Therapeut, der Ihnen erklärt, wie Sie als Mann zu sein haben oder was Sie zu tun haben. Ich bin mir auch sicher, dass dies das Letzte wäre, was helfen würde. Mein Zugang kommt aus zwei Richtungen: Einerseits aus der therapeutischen Arbeit mit Männern, andererseits aus einer intensiven fachlichen Auseinandersetzung mit Männlichkeitsforschung. Ich kenne einige Theorien, aber ich kenne vor allem die Geschichten, die Männer in der Praxis erzählen. Und ich weiß, dass es für viele Männer schon ein riesiger Schritt ist, überhaupt in einer Praxis zu sitzen. Das verdient Respekt, nicht Belehrung.
Mein Angebot richtet sich an Männer aller Altersstufen, sexueller Orientierung und Herkunft. Ob es um eine akute Krise geht, um eine längere Auseinandersetzung mit sich selbst oder um die Frage, wie man als Mann heute leben will.
Männergruppe:
Neben dem Setting der Einzeltherapie biete ich gemeinsam mit meinem Kollegen Matthias Tschannett eine psychotherapeutisch begleitete Männergruppe an. In der Gruppe geht es um den Austausch unter Männern zu Themen wie Rollenbilder, Gefühle, Beziehung, Stärke, Scheitern und Sexualität. Mehr dazu finden Sie auf der hier.
Keynotes & Seminare:
Das Thema Männlichkeit begleitet mich nicht nur in der Praxis, sondern auch in Lehrveranstaltungen, bei Vorträgen und in der Arbeit mit Unternehmen. Wenn Sie sich für eine Keynote, einen Workshop oder ein Seminar zu Männlichkeit und Geschlechterrollen interessieren, finden Sie hier mehr Informationen.